1679

1679

Ich hab mir in der Anfangsphase meiner ernsthaften Ahnenforschung leider nicht notiert, woher ich dieses Datum habe. Aber zumindest kann ich mich erinnern, was es bedeuten soll: Es ist das Geburtsjahr von Stephan Liegl sen. Der sen. stammt von mir, um ihn von einem seiner Söhne, Stephan Liegl jun. zu unterscheiden. Auch natürlich das jun. dieses Sohns, meines direkten Vorfahrens.

Stephan Liegl

1679 also ist Stephan Liegl sen. geboren. Und ich hab mir wenigstens notiert, wo, nämlich in Untergrafenried. Dort ist er dann wohl auch 1745 gestorben, obwohl ich inzwischen Hinweise hab, daß er in Rannersdorf, so 10 km südlicher, Bauer war. Könnte immerhin sein, daß er sich zum Sterben zurück an den Ort seiner unmittelbaren Herkunft begeben hat. Sein Vater lebte da möglicherweise zwar nicht mehr, aber vielleicht war der Hof in Untergrafenried ja noch in Familienbesitz.

Jede Menge Vermutungen. Wie bekomme ich da wohl Licht ins Dunkel? Der Zeitraum ist ja immerhin schon fast 400 Jahre vorbei, und er liegt zumindest nach dem Ende des 30jährigen Kriegs und der Pest, die beide ja halb Europa menschenarm und eher chaotisch hinterlassen haben. Und der auch für Ahnenforscher eine fast nicht zu durchschreitende zeitliche Grenze darstellt, da u.a. in seinem gewalttätigen Verlauf ein Großteil der Kirchenbücher vernichtet wurde, die ja damals eine der wenigen amtlichen Standes-Dokumente waren. Nebenbei natürlich heute die Hauptquellen für Ahnenforscher.

Also: Wo könnte ich noch Details über das Leben von Stephan sen. finden?

Als erstes kann ich ja noch einen sehr gründlichen Blick in die noch vorhandenen Kirchenbücher werfen, feststellen, was hab ich daraus schon erfahren, und wo könnten noch Infos liegen.

Untergrafenried

Wo? Untergrafenried gehörte und gehört heute noch zur Pfarrei Ast. Deren Kirchenbücher wurden zur fraglichen Zeit aber in Waldmünchen, bei St. Stephan, geführt. Wieder Stephan. Allerdings ist früher die Entfernung von Untergrafenried zur Pfarrkirche in Ast, die gut 10 km beträgt, kaum zu Fuß zurückzulegen gewesen. Naturlich auch heute nicht, zum Beispiel mit einem eben geborenen Täufling im Arm, Aber heute ist man/frau ja auto-motorisiert.

Grafenried

Damals jedoch hatten die Menschen von Untergrafenried noch eine andere kirchenamtlich anerkannte Möglichkeit: Sie konnten nach Grafenried gehen, erst zu einer Kapelle, ab 1788 dann zur Kirche St. Georg, in der sie sogar eine eigene Nebensakristei hatten, nicht sehr weit entfernt von ihrem Wohnort. Grafenried, und einige Orte in der Nähe, wurden allerdings durch klein- und groß-politische Ereignisse immer wieder zwischen Territorien hin und her verfrachtet, verwaltungsmäßig. Böhmen – Obere Pfalz, K&K-Habsburgerland, Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei, waren daran beteiligt. Heute ist Grafenried eine Wüstung, ein untergegangener, eigentlich vernichteter, Ort ein paar hundert Meter nordöstlich der deutsch-tschechischen Grenze.

Aber es existieren noch Kirchenbücher aus Grafenried, und die sind zum Teil sogar online zugänglich. Im Gegensatz zu denen von Ast oder Waldmünchen, die ins Bistumsarchiv nach Regensburg gewandert wurden und dort zur Zeit unter Verschluß liegen. Glücklicherweise konnte ich dort schon früher einen, leider beschränkten, Blick in abgenützte Filmkopien der letzteren werfen.

Was bleibt

mir also im Augenblick bei diesem Thema zu tun?

Zwei oder drei der folgenden Dinge:

– In den Online-Matrikeln  von Grafenried suchen. Die sind glücklicherweise größtenteils auf Deutsch und Latein verfasst, wie die im Westen halt auch.

– Auf die Online-Stellung der Kirchenbücher des Bistums Regensburg warten. Dies sollte eigentlich irgendwann in diesem Jahr noch der Fall sein.

– In den Fotos von den Regensburger Kirchenbüchern, die ich und andere von den Filmkopien gemacht haben, nach übersehenen Infos suchen.

Im Grunde ist das alles allerdings eher nutzlose Mühe, bis die Regensburger ihre Kirchenbücher online zugänglich gestellt haben, hoffentlich frisch digitalisiert. Aber immerhin kann ich mich inzwischen noch im Lesen dieser Jahrhunderte alten Handschriften üben. Das stellt natürlich für jeden Ahnenforscher, jede Ahnenforscherin, eine unabdingbare Voraussetzung dar, wenn man/frau seinen/ihren Job sinnvoll tun möchte.

Allerdings kann es durchaus auch sein, daß auch die alten Kirchenbücher aus Ast und Waldmünchen keine verwertbaren Details mehr preisgeben. Dann bleiben noch, möglicherweise, amtliche Dokumente im zuständigen Staatsarchiv Amberg. Das liegt allerdings einfach gut 4 Stunden entfernt, und ein solches Unterfangen ist  an einem einzelnen Tag, per Bahn hin und zurück und ein paar vielleicht fruchtlose Stunden im Archiv, kaum sinnvoll realisierbar.