Zwischenbilanz: Liegls in der Oberpfalz

Zwischenbilanz meiner Forschung in der Oberpfalz

Ende August ist für mich mal Zeit, Atem zu holen, und das Erreichte vor mir (und euch) auszubreiten. Die Jäger nennen das, was da liegt, ja dann die „Strecke“, also die gesammelte Jagdbeute.

Zu diesem Zweck sehe ich mir einfach mal meine väterlichen Vorfahren, speziell die Liegl-Linie hier und in der Oberpfalz, genauer an, und die Dokumente, die ich dazu geerbt und selber gefunden habe:

Kekule Name Geburt/Taufe Heirat/Trauung Tod/beerdigung

1 Liegl Werner 1955 M
2 Liegl Hans jun. 1926 M (1954 M) (2012 M)
4 Liegl Hans sen. 1896 M 1924 M (1968 M)
8 Liegl Sebastian jun. 1866 M (1895 M) (1944 M)
16 Liegl Sebastian sen. 1803 G 1856 M 1871 M
32 Liegl Michael jun. 1777 G 1801 G 1843 G
64 Liegl Michael sen. 1748 G 1769 G 1813 G
128 Liegl Stephan jun. (<1699 ?) 1736 G 1784 G
256 Liegl Stephan sen. (1676 U) (? A) (1745 U)

M = München
G = Grafenkirchen
U = Untergrafenried
A = Ast

Stephan Liegl (jun.)

Ist diese Aufstellung korrekt, so fangen meine derzeitigen Probleme bei der Geburt von Stephan Liegl jun. an.

In der Trauungsmatrikel von 1736 aus Grafenkirchen lautet der Name des Bräutigams „Stephan Liegl de (aus) Rannersdorf“, der der Braut „Barbara Rampf de (aus) Grafenkirchen“. Als Trauzeugen sind angeführt: Jakob Rampf aus Löwendorf (Löwendorf/ Pemfling) und Ulrich Wallinger, textor (Weber) aus Beutelsbach (bei Grafenkirchen/ Pemfling). „de Rannersdorf“ muß nun nicht unbedingt den Geburtsort bezeichen, aber zumindest den Ort, wo Stephan vor seiner Heirat gelebt hat.

In Taufmatikeln aus Grafenkirchen, aus den Jahren 1737 bis 1748, nach seiner Trauung in Grafenkirchen, für seine Kinder mit Barabara (Rampf) wird er als textor (Weber) in Grafenkirchen bezeichnet, Im Jahr 1751 in der Taufmatrikel für seine Tochter Anna Maria steht allerdings an dieser Stelle „colonus in Grafenkichen“, also Bauer, drin, die Mutter ist immer noch „Barbara“. War er also seit seiner Trauung nur Weber in Grafenkirchen, oder auch gleichzeitig auch Bauer (hat er also, wie ich erst mal vermutete, in einen Hof in Grafenkirchen eingeheiratet?), oder hat er den Hof (colonus beinhaltet einen Beruf als Vollbauer) erst später bekommen/ erworben, vielleicht zwischen 1736 und 1751? Das könnte ich z.B. über Briefprotokolle im Staatsarchiv Amberg klären.

Also:
Stephan jun. ist wohl nicht in Grafenkirchen geboren, möglicherweise in Rannersdorf, oder in Prosdorf (wie einer seiner Brüder), oder in Untergrafenried (wie sein Vater und die meisten seiner Geschwister). Löwendorf und Beutelsbach, die Wohnorte der beiden Trauzeugen von 1736) sind beide etwa 3 km Fußweg von Grafenkrichen entfernt. Beide Trauzeugen haben deshalb wahrscheinlich auch nichts mit seinem Leben vor der Hochzeit, in Rannersdorf, zu tun. Sein Trauzeuge war vermutlich als „textor de Beutelsbach“ ein Kollege, der schon in der Nähe seiner Braut wohnte (oder vielleicht sogar, wenn ich mal spekulieren möchte, den Kontakt herstellte).

Wie auch immer:
Mir fehlt als erstes sein Eintrag in einer Taufmatrikel, wohl vor 1700. Rannersdorf gehörte zur Pfarrei Ast, allerdings sind die kirchlichen Einträge bis 1734 in Waldmünchen zu finden. Untergrafenried (inferior Grafenrieth) gehörte ebenfalls zu Ast, es war allerdings nach Obergrafenied (eigentlich: Grafenried) deutlich näher. Um 1688 ist in Grafenried eine Kapelle bezeugt, die Vorgängerkirche von St. Georg, die dort ab 1775 gebaut wurde. Ursprünglich gehörte Grafenried zu den Pfarreien von Ast und Waldmünchen, von 1682-1698 mal kurz zur Pfarrei Wassersuppen. Bis 1708 lag Grafenried auf bayerisch-oberpfälzischem Gebiet. Die Matrikel von Wassersuppen und Grafenried (heute eine Wüstung in Tschechien) könnte ich möglicherweise in tschechischen Archiven finden, z.B. in Portafontium.

Nach all diesen Überlegungen muß ich also zuerst mal im Taufbuch Nr. 1 (1582-1734) aus Waldmünchen nach der Geburt von Stephan (Stephanus, Stefan) suchen, jedenfalls vor 1700.

Leider ist im Taufbauch Nr.1 im Zeitraum 1695-1701 nichts zu Stephan Liegl jun. zu finden, auch nicht zur Geburt seiner zahlreichen (Halb-)Geschwister.

Bei der Suche bin ich aber zufällig auf einen Andreas Liegl gestoßen, der 1696 in Englmannsbrunn als Bauer lebte, und auf die Taufe seiner Tochter Margaretha 1698 in Ast. Beide kannte ich noch nicht.