Familie von Sebastian Liegl

Nach 1835

Nach seinem Debakel mit der geplanten Verheiratung nach Grassersdorf/Rötz Mitte der 1830er Jahre orientierte sich Sebastian wohl nach dem Süden.

Über irgendwelche Wege erfuhr er offensichtlich von der Versteigerung des maroden Franzengütl in Pastetten Lkr. Erding/ Oberbayern aus einem Erbfall, und wurde schon bei seiner Hochzeit 1841 dort als Franzengütler bezeichnet. Seine Braut war die in Niederstraubing, Pfarrei Steinkirchen, aus dem gleichen Landkreis Erding geborene, 3 Jahre jüngere Magdalena Lainer. 1842 wurde in Pastetten sein Sohn Andreas als sein erstes Kind geboren und in der Pfarrkirche zu Poigenberg getauft.

Haidhausen

Die nächste Nachricht, die mir vom Leben von Sebastian vorliegt, ist seine 2. Heirat in München-Haidhausen aus dem Jahr 1856. Dort wurde er als Witwer geführt, seine 1. Ehefrau Magdalena war 1854 verstorben, zu der Zeit grassierte die Cholera an vielen Stellen. Der Trauungseintrag war ohne Sterbeort, ohne Begräbnisplatz. Sein Sohn Andreas lebte offenbar noch, ich hab seinen Trauungseintrag aus dem Jahr 1894 mit Klara Lorum aus Österreich, in St. Margareth in München-Sendling.

Aber nun meine große Frage:

Was war mit Sebastian Liegl und seiner mindestens 3köpfigen Familie in den Jahren 1842 bis 1856?

Es ist klar: ab 1854, nach dem Tod der Mutter von Andreas, waren sie eine Person weniger, möglicherweisse nur noch zu zweit. Zur Zeit seiner 1. Hochzeit 1841 war Sebastian 38 Jahre alt, zwar schon etwas alt, aber noch nicht zu alt für eine größere Familie. Seine Ehefrau war noch ein paar Jahre jünger, 1806 geboren, also um 37. So sollte es, nach der Geburt von Andreas, schon noch ein paar Kinder aus der 1. Ehe gegeben haben.

Sebastian und der Prasiltabak

In der Taufmatrikel seiner 1. Tochter in der 2. Ehe in München-Haidhausen wird Sebastian als Prasiltabakfabrikant bezeichnet. Allerdings nicht in der 3 Monate vorher erfolgten Hochzeit. War er Fabrikbesitzer, oder hatte er ein Heimgewerbe, oder war er nur ein Hochstapler? Zumindest war er in Haidhausen ein Herbergsbesitzer, ein altertümlicher Inhaber einer Eigentumswohnung in einem, fast, Slumviertel der Arbeitervorstadt. Er betonte allerdings immer, daß seine Wohnung im Erdgeschoß lag, was wahrscheinlich doch die beste der Wohnlagen dort war.

15 Jahre später, nach 4 früh verstorbenen Kindern und meinem Urgroßvater Sebastian als 6jährigen Knaben, verstarb er mit 68 Jahren als Packträger. Das war damals so ein vorweggenommener Ersatz für ein Lastauto, und er mußte vermutlich Ziegel von einer der zahlreichen Ziegeleien in dieser Gegend nach München rein zu den Baustellen tragen.

Nochmals die Frage :
Wo war Sebastian Liegl ab 1842 mit seiner Familie?

  1. Vermutung: Er hatte noch mehrere Kinder, als Franzengütler in Pastetten, oder danach. Das sollte sich über Taufen oder Beerdigungen in Pastetten oder Poigenberg, der zuständigen Pfarrkirche, feststellen lassen. Das Franzengütl war beim Bezug doch wahrscheinlich ziemlich marode. Wenn man dort einzog, hatte man doch sicher eine oder mehrere der folgenden Motivationen: Man nutzte es als Versteck auf einer Flucht (er wurde vom Landgericht Waldmünchen steckbrieflich gesucht). Man wollte es billig erwerben und herrichten, also eine Zeitlang dort bleiben. Man verwendete es nur als kurze Zwischenunterkunft vor dem Weierzug. Also die Frage: Lassen sich weitere Kinder in Poigenberg/Pastetten finden?
  2. Vemutung: Er heuerte bei einer der Ziegeleien in Haidhausen an, das damal noch zum Landgericht Wolfratshausen gehörte. Und als Herbergsbesitzer, ein Wohneigentum auf sicher sehr niedrigem Niveau, sind auch weitere Taglöhner verzeichnet. Zumindest war Sebastian offensichtlich stolz darauf, im Erdgeschoß zu wohnen. Das Wohlstandszeichen „Belle Etage“, also das ganze 1. Obergeschoß eines Mietshauses in besseren Vierteln auch von München, hatte in den ehemaligen feuchten Lehmgruben von Haidhausen, in denen die Herbergen oft lagen, wohl wenig Bedeutung.
  3. Vermutung: Sein Prasiltabakfabrikant taucht ja nur im Taufeintrag der 1. mir bekannten Tochter 1856 auf. Wollte er damit Ehre einlegen, dann hätte er schon dafür gesorgt, daß dieser Beruf mindestens auch in der Trauungsmatrikel 3 Monate vorher seinen Niederschlag gefunden hätte. Hat er aber offensichtlich nicht. Bis zur Taufe der 2. Tochter verging gut 1 Jahr, etwas kurz für einen erfolgreichen Fabrikbesitzer. Der Prasiltabakfabrikant fiel in den 1940er Jahren auch schon dem Pfarrer auf, der für meinen Vater die Lebensdaten der Vorfahren für den Ahnenpaß suchen mußte, und auch damals schon wunderte er sich offensichtlich darüber.

Hiermit beende ich mal die Spekulationen, und mach mich auf die Suche nach Fakten, nach Dokumenten.

Übrigens:

Nach seinem Tod 1871, bei dem sein Sohn Sebastian ja erst 6 Jahre und seine Ehefrau Anna Maria geb. Bader um 65 Jahre alt waren, hat die Witwe recht bald wieder geheiratet, vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil sie den kleinen Sebastian versorgen mußte. Der 1. Sohn von Sebastian sen., Andreas Liegl, geboren 1841 in Pastetten, war da 24 Jahre alt und konnte wahrscheinlich durchaus auf eigenen Füßen stehen. Anna Maria geb. Bader verw. Liegl heiratete jedenfalls einen Joseph Strohmayer und starb im Jahr 1900 als Anna Maria Strohmayer, in der Auerfeldstraße 6 in München-Au, der Adresse der Kreisirrenanstalt. Sie wurde als Anna Strohmayer als erste Person im späteren Familiengrab, mit einem Alter von gut 80 Jahren, im Münchner Ostfriedhof begraben. Von Joseph Strohmayer hab ich bisher keine Spur mehr.

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