Der Name Liegl

(ein sehr biographischer Text vom 23.3.2020)

Als ich vor meiner Heirat am 15. Juni 1978, also Anfang des Jahres 1978, im Standesamt am Mariahilfplatz in München, das damals wohl auch für Giesing zuständig war, meinen Namen „Liegl“ nicht als künftigen Familiennamen und als diesen Familiennamen den Namen meiner zukünftigen Ehefrau übernehmen wollte, reagierte mein Vater eher panisch. 
Er meinte, daß sich mein Großvater, der gut 10 Jahre vorher gestorben war, im Grab umdrehen würde.
Also bin ich ein zweites Mal zum Standesamt, um diese  zukünftige Änderung rückgängig zu machen. Bei der eigentlichen Trauung hab ich dann meinen Familiennamen Liegl behalten, und auch meine Frau hat diesen Namen angenommen.

Ein paar Anmerkungen dazu:

  • Ich war der erste von 5 Kindern meines Vaters, der geheiratet hat.
  • Ich befand mich damals im 8. Semester meines Elektrotechnik-Studiums, also kurz vor dem Ende und einer möglicherweise glänzenden Kariere. Jedenfalls waren wohl alle Voraussetzungen für Kinder mit dem Namen Liegl da.
  • Leider kann ich nun spontan ein paar Dinge nicht mehr klar sehen:
  1. Wo hab ich zu der Zeit gelebt?

Amtlich gemeldet war ich wohl schon noch in Giesing, sonst wäre ein anderes Standesamt zuständig gewesen. Gefühlt hab ich mich aber sehr viel bei meiner zukünftigen Frau und deren Eltern in Sendling aufgehalten.

  1. Wie kam es zum Zerwürfnis mit meinem Vater?

Es kam im Anschluß an die standesamtliche Trauung zu einem nicht mehr zu kittenden Bruch zwischen meinem Vater und meinem Schwiegervater. Dabei ging es wohl erst mal um die Rechnung für das Essen nach der Zeremonie, das im Opatia am Viktualienmarkt stattfand. Soweit ich mich erinnern kann, wollte mein Schwiegervater auch diese Rechnung begleichen, wie er schon meine Ausstattung, und auch die noch kommende Hochzeitsfeier im Isartal finanzieren wollte. Er hatte sicher weniger Geld zur Verfügung wie mein Vater, aber nur 1 Tochter. Und er hatte bei mir doch einen sehr viel größeren Stein im Brett. Da könnte auch Eifersucht, zusätzlich, eine Rolle gespielt haben. Jedenfalls hab ich danach den Kontakt mit meinen Eltern doch sehr zurückgefahren und für Jahre, ja Jahrzehnte, ganz unterbrochen.

  1. Welche Rolle hat meine Mutter dabei gespielt?

Soweit ich mich erinnern kann: Keine. Oder höchstens ihre, aus meiner Sicht, übliche: eine still Leidende.

  1. Was war mit meiner Schwiegermutter?

Bei diesem konkreten Konflikt war sie auf der Seite ihres Ehemanns, der Tochter, und meiner. Darüber hinaus hatte ich ein gutes bis sehr gutes Verhältnis mit ihr,das, soweit ich mich erinnern kann, etliche Male fast ins erotische (zumindest von meiner eher spätpubertären Seite aus) abgeglitten wäre.

  1. Was ist daraus geworden?

Ich war wohl, aus meiner heutigen Sicht, nicht reif für eine Ehe, schon gar nicht für eine Vaterschaft. Letztere ist nie erfolgt, erstere wurde von meiner Ehefrau, nach jahrelangem Fremdgehen von ihr und auch von mir, nach 13 Jahren durch Scheidung beendet. 
Sie hat bis heute nicht mehr geheiratet, ich auch erst 37 Jahre danach. Ihr Vater ist schon während unserer Ehezeit gestorben, ihre Mutter vor ein paar Jahren, also deutlich nach unserer Scheidung. Meine Mutter starb 2009, mein Vater 2012, meine Exfrau lebt mit ihrer Katze in der Nähe von Augsburg und ist wohl immer noch berufstätig.

Offene Fragen:

  1. Was hatte es mit dem Familiennamen Liegl auf sich?

Heute glaube ich Folgendes: Mein Vater hat sich sehr mit diesem Namen identifiziert, auch durch seine Familienforschung in 1943, 1944. Er war auch wohl sehr daran interessiert, daß es auch in Zukunft Träger dieses Namens gibt, und entsprechend entäuscht, daß ich keine Kinder hatte. Bei meiner zweiten Beziehung konnte er auf Namensträger nicht hoffen, da ich meine Partnerin nicht geheiratet hab und sie aus ihrer ersten Ehe 2 Söhne mitbrachte, die schon einen, anderen, Familiennamen hatten. Und auch bei meiner dritten Partnerin, die Hochzeit erlebte er nicht mehr, war keine Aussicht auf eigene Kinder, da auch sie schon 2 Söhne hatte und noch verheiratet war. Außerdem ist sie 12 Jahre älter als ich.
Kann mich nicht erinnern, daß mein Opa, zu seinen Lebzeiten bis deutlich vor meiner ersten Hochzeit, mal was dazu gesagt hätte. Er starb, als ich so 14 Jahre alt, also grad in der Unterstufe Gymnasium, mit sehr guten Noten, war. 
Seine zweite Frau, meine erste wirkliche Bezugsperson vor meiner Mutter, starb 1975, also 3 Jahre vor meiner Hochzeit. Da war ich 19 und grad frischgebackener Student.
Aus den Ehen meiner Geschwister gingen allerdings Söhne hervor, von denen einer sogar zu Lebzeiten meines Vaters einen Sohn mit dem Familiennamen Liegl hatte. Also alles in Butter mit Liegl.

  1. Warum hatte ich keine Kinder aus erster Ehe?

Das ist wirklich eine gute Frage, mit bisher zumindest einer konkreten Antwort, der von mir damals: Ich fühlte mich nicht in der Lage, eine solche Verantwortung zu übernehmen. Ja, heiraten schon, aber keine Kindern, keine Familie. Möglicherweise eine geschützte Umgebung für Spaß und Sex. Es ist mir von dem an sich guten Einkommen bei Siemens ab 1980 nach der Scheidung auch nichts mehr übrig geblieben. 

Was dachten denn meine Frau und meine Schwiegereltern darüber? Meine Frau hat es schon vor der Hochzeit gewusst und wohl so akzeptiert, meine Schwiegereltern haben sicher immer noch gehofft. Allerdings hatte meine Frau noch einen Bruder, der auch geheiratet und eine Familie mit Kind hat. Diesen Enkel hat allerdings mein Schwiegervater, soweit ich mich erinnern kann, nicht mehr mitbekommen.

Der Name Liegl

Im Grunde ist es immer noch rätselhaft, und ich hab auch keine vernünftige und belastbare Erklärung zu dem Ganzen. Interessant ist immerhin, daß ich nun auch vom Namen Liegl und seiner Wanderung durch die Jahrhunderte fasziniert bin. Mit der daraus resultierenden Familienforschung bin ich schon ein ganzes Stück über der meines Vaters hinausgekommen. Mein primäres Interesse lag von Anfang an bei den Vorfahren väterlicherseits, hauptsächlich bei denen mit dem Namen Liegl. Da bin ich im Augenblick bei so 7-8 Generationen zurück in der Oberpfalz und denke, daß ich auch noch die Grenze ins damalige Böhmen überschreiten werde.

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